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"Wie konntest Du nur?"
"How Could You?"
Text aus: Jim Willis, "Die leise Stimme der Seele"
© Copyright 2006 ComArt, Weggis, Schweiz

(Übersetzt aus dem Amerikanischen von Elvira Rösch & Nicole Valentin-Willis)

Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich
Dich mit meinen Possen und brachte Dich
zum Lachen. Du nanntest mich Dein Kind,
und trotz einer Anzahl durchgekauter Schuhe
und so manchem abgeschlachteten
Sofakissen wurde ich Dein bester Freund.
Immer wenn ich "böse" war, erhobst Du
Deinen Finger und fragtest mich "Wie
konntest Du nur?" - aber dann gabst
Du nach und drehtest mich auf den Rücken, um
mir den Bauch zu kraulen.

Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein
bisschen länger als erwartet, denn Du warst
furchtbar beschäftigt, aber zusammen
bekamen wir das in den Griff. Ich erinnere
mich an jene Nächte, in denen ich mich im
Bett an Dich kuschelte und Du mir Deine
Geheimnisse und Träume anvertrautest, und
ich glaubte, das Leben könnte nicht schöner
sein. Gemeinsam machten wir lange
Spaziergänge im Park, drehten Runden mit
dem Auto, holten uns Eis (ich bekam immer
nur die Waffel, denn "Eiskrem ist schlecht
für Hunde", sagtest Du), und ich döste
stundenlang in der Sonne, während ich auf
Deine abendliche Rückkehr wartete.

Allmählich fingst Du an, mehr Zeit mit
Arbeit und Deiner Karriere zu verbringen - und
auch damit, Dir einen menschlichen
Gefährten zu suchen. Ich wartete geduldig
auf Dich, tröstete Dich über Liebeskummer
und Enttäuschungen hinweg, tadelte Dich
niemals wegen schlechter Entscheidungen
und überschlug mich vor Freude, wenn Du
heimkamst und als Du Dich verliebtest.

Sie, jetzt Deine Frau, ist kein
"Hundemensch" - trotzdem hieß ich sie in
unserem Heim willkommen, versuchte ihr
meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte
ihr. Ich war glücklich, weil Du glücklich
warst. Dann kamen die Menschenbabies,
und ich teilte Deine Aufregung darüber. Ich
war fasziniert von ihrer rosa Haut und ihrem
Geruch und wollte sie genauso bemuttern.
Nur dass Du und Deine Frau Angst hattet,
ich könnte ihnen wehtun, und so verbrachte
ich die meiste Zeit verbannt in einem
anderen Zimmer oder in meiner Hütte. Oh,
wie sehr wollte auch ich sie lieben, aber ich
wurde zu einem "Gefangenen der Liebe".

Als sie aber grösser waren, wurde ich ihr
Freund. Sie krallten sich in meinem Fell fest,
zogen sich daran hoch auf wackligen
Beinchen, pieksten ihre Finger in meine
Augen, inspizierten meine Ohren und gaben
mir Küsse auf die Nase. Ich liebte alles an
ihnen und ihre Berührung - denn Deine
Berührung war jetzt so selten geworden - und
ich hätte sie mit meinem Leben verteidigt,
wenn es nötig gewesen wäre.

Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte ihren
Sorgen und Träumen zu, und gemeinsam
warteten wir auf das Geräusch Deines
Wagens in der Auffahrt. Es gab einmal eine
Zeit, da zogst Du auf die Frage, ob Du einen
Hund hättest, ein Foto von mir aus der
Brieftasche und erzähltest Geschichten über
mich.
In den letzten Jahren hast Du nur noch
mit "Ja" geantwortet und das Thema
gewechselt. Ich hatte mich von "Deinem
Hund" in "nur einen Hund" verwandelt, und
jede Ausgabe für mich wurde Dir zum Dorn
im Auge.

Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit in
einer anderen Stadt, und Du und sie
werdet in eine Wohnung ziehen, in der Haustiere
nicht gestattet sind. Du hast die richtige
Wahl für "Deine" Familie getroffen, aber es
gab einmal eine Zeit, da war ich Deine
einzige Familie.

Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir
am Tierheim ankamen. Es roch nach
Hunden und Katzen, nach Angst, nach
Hoffnungslosigkeit. Du fülltest die
Formulare aus und sagtest "Ich weiß, Sie
werden ein gutes Zuhause für sie finden".
Mit einem Achselzucken warfen sie Dir
einen gequälten Blick zu. Sie wissen, was
einen Hund oder eine Katze in "mittleren"
Jahren erwartet - auch mit "Stammbaum".
Du musstest Deinem Sohn jeden Finger
einzeln vom Halsband lösen, als er schrie
"Nein, Papa, bitte! Sie dürfen mir meinen
Hund nicht wegnehmen!" Und ich machte mir
Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du
ihm gerade beigebracht hattest: über
Freundschaft und Loyalität, über Liebe und
Verantwortung, und über Respekt vor allem
Leben. Zum Abschied hast Du mir den Kopf
getätschelt, meine Augen vermieden und
höflich auf das Halsband und die Leine
verzichtet. Du hattest einen Termin
einzuhalten, und nun habe ich auch einen.

Nachdem Du fort warst, sagten die beiden
netten Damen, Du hättest wahrscheinlich
schon seit Monaten von dem
bevorstehenden Umzug gewusst und nichts
unternommen, um ein gutes Zuhause für
mich zu finden. Sie schüttelten den Kopf und
fragten "Wie konntest Du nur?".

Sie kümmern sich um uns hier im Tierheim
so gut es eben geht. Natürlich werden wir
gefüttert, aber ich habe meinen Appetit
schon vor Tagen verloren. Anfangs rannte
ich immer vor ans Gitter, sobald jemand an
meinen Käfig kam, in der Hoffnung, das
seiest Du - dass Du Deine Meinung
geändert hättest - dass all dies nur ein
schlimmer Traum gewesen sei... oder ich
hoffte, dass es zumindest jemand wäre, der
Interesse an mir hätte und mich retten
könnte. Als ich einsah, dass ich nichts
aufzubieten hatte gegen das vergnügte
Um-Aufmerksamkeit-Heischen
unbeschwerter Welpen, ahnungslos
gegenüber ihrem eigenen Schicksal, zog ich
mich in eine ferne Ecke zurück und wartete.

Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des
Tages kam, um mich zu holen, und trottete
hinter ihr her den Gang entlang zu einem
abgelegenen Raum. Ein angenehm ruhiger
Raum. Sie hob mich auf den Tisch und
kraulte meine Ohren und sagte mir, es sei
alles in Ordnung. Mein Herz pochte vor
Aufregung, was jetzt wohl geschehen würde,
aber da war auch ein Gefühl der
Erleichterung. Für den Gefangenen der
Liebe war die Zeit abgelaufen. Meiner Natur
gemäss war ich aber eher um sie besorgt.
Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das
fühlte ich, genauso wie ich jede Deiner
Stimmungen erfühlen konnte.

Behutsam legte sie den Stauschlauch an
meiner Vorderpfote an, während eine Träne
über ihre Wange floss. Ich leckte ihre Hand,
um sie zu trösten, genauso wie ich Dich vor
vielen Jahren getröstet hatte. Mit geübtem
Griff führte sie die Nadel in meine Vene ein.
Als ich den Einstich fühlte und spürte, wie die
kühle Flüssigkeit durch meinen Körper lief,
wurde ich schläfrig und legte mich hin,
blickte in ihre gütigen Augen und flüsterte
"Wie konntest Du nur?"

Vielleicht verstand sie die Hundesprache und
sagte deshalb "Es tut mir ja so leid". Sie
umarmte mich und beeilte sich mir zu
erklären, es sei ihre Aufgabe dafür zu
sorgen, dass ich bald an einem besseren Ort
wäre, wo ich weder ignoriert noch
missbraucht noch ausgesetzt werden könnte
oder auf mich alleine gestellt wäre - einem
Ort der Liebe und des Lichts, vollkommen
anders als dieser irdische Ort. Und mit
meiner letzten Kraft versuchte ich ihr mit
einem Klopfen meines Schwanzes zu
verstehen zu geben, dass mein "Wie
konntest Du nur?" nicht ihr galt. Du warst
es, mein geliebtes Herrchen, an den ich
dachte. Ich werde für immer an Dich denken
und auf Dich warten.

Möge Dir ein jeder in Deinem Leben so viel
Loyalität zeigen.

Jim Willis

(Anmerkung der Redaktion: Dieses Gedicht stammt aus der U.S.A. In Deutschland werden Tiere in Tierheimen NICHT getötet, nur weil sie schon zu lange dort sitzen!).

"Wer Tiere quält ist unbeseelt
und Gottes guter Geist ihm fehlt,
mag noch so vornehm drein er schaun,
man sollte niemals ihm vertraun."
Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein ehemaliger Straßenhund kommt ins Haus
und berichtet:
Die Menschen fragen sich: Was ist zu beachten, was müssen wir wissen?? 
 
  

Und nun meine Antwort:
 
Meine genaue Vorgeschichte ist mein Geheimnis und das genaue Geheimnis kann ich wunderbar für mich behalten und soll auch mein Geheimnis bleiben. Jedoch zum besseren Verständnis will ich euch so einen kleinen Einblick in so ein Straßenhundleben geben.

Egal, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Hund, kastriert oder nicht kastriert, jung oder alt, gesund oder krank handelt, müssen unsere zukünftigen Ernährer sich vor Augen halten, ich war ein Überlebenskünstler auf der Straße, im Wald, am Strand, auf den Feldern, in Ruinen oder sonst wo immer. Ganz allein auf mich gestellt habe ich es geschafft immerhin nun (ja, wie alt ist denn ihr zukünftiger Hausgenosse?) „so“ alt zu werden. 

Die Menschen müssen sich das so verstellen: Morgens, wenn die Sonne aufgeht, liege ich auf der Straße und überlege, wo bekomme ich nun etwas Fressbares her? Also stehe ich auf, ach ja, als erstes erledige ich mein Morgengeschäft. Da vorne, zwei Schritt weiter, da ist es genau richtig und dann streune ich so durch die Straßen oder Wege oder Wälder oder an den Stränden entlang, ständig auf der Hut vor Menschen die mir nicht wohlgesonnen sind; vor anderen Hunden, die stärker sind als ich; vor Katzen; vor Autos; vor Zügen; vor Flugzeugen etc.. Ich habe meine Nase, Ohren und Augen ständig überall, damit mir nichts entgeht, was mich angreifen/bedrohen könnte, was für mich fressbar oder trinkbar ist, wo ich sicher schlafen könnte. Ach ja, auch vor Kindern bin ich auf der Hut, vor Männern und vor Frauen. 

Also wandere ich so umher: Oh, da liegt ein Krümelchen Brot, schwups aufgefressen, bevor ein Kumpel, der gerade in der Nähe war, es aufschnappen konnte. Da, noch ein Stückchen Pizza, flugs mal dem Kumpel, der sich noch immer in meiner Nähe aufhält, die Zähne gezeigt (mit den Worten: „Vorsicht, dies ist mein Stück Pizza“) und schon habe ich auch dieses Stück im Bauch (es soll für Heute mein Letztes sein). Ach ja, ein bisschen Wasser wäre jetzt auch nicht schlecht. Also mache ich mich auf und suche eine Pfütze. Oh je, ein riesiges Hupkonzert geht los, da habe ich doch vor lauter Durst tatsächlich nicht die Autos beachtet. Auch der Sinn einer Ampel etc. ist mir vollkommen fremd. Gerade noch mal geschafft, ich bin nicht angefahren worden. Schließlich ist es Mittag und nirgendwo ein nettes Plätzchen zu sehen. Halt doch, da vorne, unter diesen Stufen, da habe ich schon mal gelegen, da könnte ich mich nun auch hinlegen. Also krieche ich unter diese Stufen, die mir auch ein bisschen Schatten spenden. Gerade liege ich so eine halbe Stunde schläfrig herum, da kommt ein Mann und geht erst vorbei. Ich schließe wieder meine Augen und „AUA“ da bekomm ich doch tatsächlich einen Tritt in meinen Popo, fliege einen halben Meter weit, lande ziemlich unglücklich und springe auf und eile davon. Diese Stelle werde ich mir als „nicht sicher“ merken. Abends, wenn es dunkel wird, streune ich noch immer durch den Ort auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Mittlerweile bin ich todmüde, denn der heutige Tag war arg anstrengend für mich. Ein größerer schwerer Rüde war – ungewollt - mein ständiger Begleiter und jedes Mal, wenn ich gerade etwas Fressbares gesehen hatte, war er schneller, drohte mir und ich ging leer aus. Mein Magen grummelt, schon wieder einmal nicht satt geworden, zu trinken gibt’s heute auch nichts mehr und nun fängt auch noch ein Platzregen an. Wohin, wohin?? Ich schreie es ganz laut. Da, ist ein Brett, dahinter müsste ich passen. Also, nichts wie hin. Oh je, ist das eng hier, aber immerhin, ich passe irgendwie hinein und bekomme nicht den ganzen Regen ab. Es dauert, wenn es einmal beginnt zu regnen, ihr nennt es Dauerregen, Tage, bis dass mein Fell wieder trocken ist und ich mag es gar nicht leiden. Stellt euch vor, ihr wäret dann die ganze Zeit draußen ohne Schutz. Oh weh, ich war fest und tief eingeschlafen, muss wohl mächtig müde gewesen sein, auf jeden Fall sind da ganz freundliche Stimmen an meinem Ohr. Sie maulen nicht mit mir, sie treten mich nicht, sie schlagen mich nicht, sie reden nur ganz freundlich auf mich ein. Solch nette Stimmen hatte ich schon lange nicht mehr gehört. Irgendwie wurde mir ganz anders und bevor ich mich versah, hatten sie mich eingefangen. Nun wehrte mich ganz doll, aber ich hatte keine Chance, die Schlinge um meinen Hals saß so fest, sie zog sich immer weiter zu, ich bekam kaum noch Luft. PANIK!! So ging es in ein Auto, ich erstickte fast, und oh staun, dort waren schon viele meiner Kumpels. Aber, wie roch es in dem Wagen: Nach Angst, nach Tod, nach Grausamkeiten. Dann kamen wir an so einem Ort an. Es roch entsetzlich nach Tod. (Tötungsstation). Auf einmal wieder nette Stimmen und diese gehörten (das weiß ich natürlich erst heute) Tierschützern. Sie verhandelten mit den Hundefängern und irgendwie – nach endlosen Stunden in dem schrecklichen Auto (ohne Trinken, ohne Fressen, alle hatten schon mal Pipi gemacht oder Ähnliches) – schafften die Tierschützer es, einige von uns zu retten. Nun ging es also in ein anderes Auto und ins Tierheim .....................................

Im Tierheim angekommen, war ich ganz mächtig aufgeregt, nervös, hungrig, durstig, müde. Was gäbe ich jetzt für ein ruhiges Plätzchen. Ich kam in einen riesigen Zwinger, außer mir saßen da noch ........................... Hunde herum, von denen ich natürlich keinen kannte. Ich war ein Fremder unter Fremden. Also musste ich nun erst einmal beweisen, wer ich bin. Gegen einige konnte ich mich durchsetzen, gegen einige nicht, diese waren stärker und ich erlitt einige Wunden. Wo nur war ich gelandet?? Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Aber immerhin, nachdem ich unter meinen Kumpels geklärt hatte, wer ich bin, wie stark ich bin und ähnliches Wichtiges mehr, konnte ich mir einen Platz zum Schlafen ergattern und schlief vollkommen erschöpft ein.

Am nächsten Morgen, die Nacht war arg kurz, brach ein riesiger Tumult los. Was war los?? Menschen!! Was würden sie tun??? Einige meiner Kumpels beruhigten mich – keine Angst, dies sind liebe Menschen. Sie geben uns was zu fressen, nur, hier müssen wir nur ein bisschen kämpfen darum, einige sind stärker und nehmen immer direkt die besten Stücke in Beschlag. Soweit so gut. So langsam verstand ich die Sache hier. Es gab zu fressen, zu trinken, einen gesicherten Schlafplatz, nette Kumpels, stärkere Kumpels (vor denen musste man sich in Acht nehmen). Aber alles in allem: besser als auf der Straße. Irgendwann kam dann auch –wie ich mittlerweile weiß – ein Tierarzt. Impfte und guckte mich an, ich wehrte mich natürlich heftig. Ich wurde narkotisiert und kastriert, bekam eine Täto-Nummer ins Ohr und einige Wochen später saß ich im Flugzeug. Mein Gott, ist das aufregend. Ich sitze in einer Flugbox, sehe nicht viel, es ist ein Höllenlärm, meine armen Ohren, die Motoren vom Flugzeug sind doch mächtig laut, tausend Pakete stehen um mich herum, kein einziger Geruch ist mir bekannt – und dann bekomme ich richtig Angst. Wie man mir später erzählte, landet so ein Flugzeug auch. Dann geht es über die Rollbahn und schon wieder ganz viele Menschen. Nichts kenne ich mehr. Wo bin ich nur gelandet?? Hilfe, ich will raus hier. Und nun geht es wieder ins Auto – wo fahren wir denn bloß hin ? – und wieder sprechen die Menschen mit ganz lieber beruhigender Stimme auf mich ein und dann lande ich irgendwann in meinem neuen Zuhause. 

Noch nie in meinem Leben war ich in einem Haus. Man muss sich das mal so vorstellen: Ich habe auf der Straße gelebt, jeden Moment in meinem Leben musste ich auf mein Leben acht geben, und nun bin ich in einem Haus. Was tue ich bloß hier und nun meine hoffentlich neuen lieben Menschen, lasst mir ganz viel Zeit für meine Eingewöhnung. Ich weiß es nicht besser. Ich konnte mein Geschäft immer verrichten, wann immer ich Druck auf meiner Blase oder Darm verspürte. Auf der Straße gibt es keinen Staubsauger, kein Fernsehen, kein Radio, keinen Wecker, zwar jede Menge Lärm, den kenne ich, aber es gibt auch keine Küchenmaschine, keine Waschmaschine, kein Wohnzimmer einfach kein gar nichts was so üblich im Haus ist. 

Und stellt euch nur mal vor, bis heute bin ich immer frei herumgelaufen, ohne Halsband und ohne Leine.

Nun meint ihr, ich müsste diese Dinge tragen und auch direkt an der Leine laufen. Aber bedenkt, eine Schlinge hatte ich bereits schon mal um den Hals und es war mir nicht gut bekommen (Tötungsstation – Rettung), also lasst sicherheitshalber ein Halsband immer an und macht auch direkt ein Namensschildchen mit Adresse und Telefonnummer und Telefongeld dran, falls ich durch irgendetwas in den ersten Tagen abhanden kommen sollte. 

Also zurück zum Spazieren gehen. Nun trage ich also ein Halsband und es ist auch noch so eine Leine an mir dran. Die ersten Male wenn ihr mit mir losgeht, seht euch vor und erschreckt nicht. Ich kann nicht an der Leine laufen. Ich springe vor und zurück, überschlage mich mehrfach und irgendwann sehe ich ein, dass es viel einfacher ist, wenn ich einfach mitlaufe und mich eurem Schritt anpasse. Bevor ich das jedoch perfekt beherrsche, kann das schon mal übelst aussehen und denkt auch daran: Die Nachbarn und die Freunde wissen immer alles besser, seit einfach geduldig mit mir, schimpft nicht mit mir, lobt mich einfach, wenn ich es auch nur im Ansatz richtig gemacht habe. Ich werde es schon begreifen.

Am besten geht ihr spätestens alle 2-3 Stunden mit mir nach draußen (falls ich nicht einfach in den ausbruchsicheren Garten kann) damit ich meine Geschäfte verrichten kann und dann gebt mir einfach viel, viel Zeit. Nach einer mehr oder weniger langen Eingewöhnungsphase werde ich alles kennen gelernt haben und mich an mein neues Leben gewöhnt haben. Dann wird eine Zeit beginnen, in der ich merke, ich habe ein Zuhause, diese Menschen lieben mich heiß und innig und ich werde euch heiß und innig und voller Dankbarkeit lieben. Nie mehr werdet ihr einen besseren Freund/Begleiter/Kumpel finden als mich.

Diesen Brief habe ich geschrieben, damit all die Menschen, die sich für einen ehemaligen Straßenhund entscheiden, nicht ihre Geduld vergessen und auch nicht aufgeben, weil es gar nicht so klappen will, wie die Menschen sich das vorgestellt haben, ich brauche nicht wie ihr angenommen habt 1-2 Wochen bis dass ich mich eingewöhne, nein ich brauche viel länger. Es geht mal besser und mal schlechter. Manchmal seit ihr am Verzweifeln, aber ich weiß eins ganz gewiss: Es kommt garantiert die Zeit, in der ich liebend gern dein Freund sein will, und niemals wollt ihr mich dann noch mal hergeben. Also, noch ein kleines bisschen Geduld. 
 
Vergesst niemals: Ich bin ein erwachsener, kampf- und lebenserprobter „Welpe“.
 
Ich, Euer Straßenhund.
 
Anmerkung des Übersetzers:
 
So oder so ähnlich, kann das bisherige Leben Ihres Straßenhundes verlaufen sein. Es kann besser oder schlimmer gewesen sein. 
Ihr ehemaliger Straßenhund kann auch schon mal ein Zuhause gehabt haben, wo er jedoch nicht mehr geliebt und einfach von dannen gejagt wurde.
Es kann eine längere oder eine kürzere Zeit dauern, bis dass sich Ihr ehemaliger Straßenhund bei Ihnen eingelebt und Vertrauen gefasst hat.
Vergessen Sie bitte niemals dabei, Ihr ehemaliger Straßenhund erlebt 24 Stunden am Tag und das über 7 Tage in der Woche und über 30 Tage im Monat ständig etwas Neues. Es ist für ihn nichts mehr so, wie es einmal war und alles, aber auch alles was an einem Tag passiert und alles was er sieht ist erst einmal neu für ihn! 
Bitte verlieren Sie nicht Ihre Geduld. Sie wird auf jeden Fall belohnt werden und später werden Sie sagen: "Das war mein bester Hund".

Autorin: Maria Bader / Webmasterin / Tierschutz Hennef e.V.

Auf ausdrücklichen Wunsch verschiedener Tierschutzorganisationen gestatte ich hiermit Tierschutzorganisationen den Artikel "Ein ehemaliger Straßenhund kommt ins Haus und berichtet"  zu kopieren und auf ihrer eigenen HP unter Angabe der Quelle zu veröffentlichen. Hierbei ist es generell untersagt, den Text zu verändern. Gleichzeitig bitte ich um Mittelung, auf welcher Webseite dieser Text übernommen wurde info@tierschutz-hennef.de. Vielen lieben Dank. 
Sollten Veröffentlichungen von Nichttierschutzorganisationen gewünscht werden, so ist bei der Autorin vorab nachzufragen die unter info@tierschutz-hennef.de zu erreichen ist. 
 
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